Two-Agent-Ökonomie
10-02, 11:40–13:10 (Europe/Berlin), guave
Language: German

In diesem Workshop werden zwei wirtschaftspolitische Strategie vorgestellt und diskutiert, bei denen Zentralbank und Staat jeweils unterschiedliche Rollen spielen, die aber dennoch beide in einer Two-Agent-Ökonomie münden. Allerdings setzen beide Strategien die Abschaffung von Banknoten (Papiergeld) und eine weitgehende Digitalisierung des Zahlungsverkehrs voraus.


Die Two-Agent-Ökonomie ist ein Novum in der Sozialökonomie, in der zwei Gruppen von Anleger/innen existieren: Die Gruppe der Großanleger/innen umfasst vermögende Privatpersonen (ca. 10% aller Anleger/innen), jene der Kleinsparer/innen Privatpersonen, Haushalte, Vereine usw. (ca. 90% aller Anleger/innen).

In diesem Workshop werden zwei wirtschaftspolitische Strategie vorgestellt, bei denen Zentralbank und Staat jeweils unterschiedliche Rollen spielen, die aber dennoch beide in einer Two-Agent-Ökonomie münden. Bei der ersten Strategie betreibt die Zentralbank eine Negativzinspolitik. Großanleger/innen werden mit negativen Zinsen konfrontiert (-3% bis -5% p.a.). Kleinsparer/innen erhalten im Gegenzug eine staatliche Sparzulage und können positive Zinsen realisieren. Bei der zweiten Strategie erhöht die Zentralbank den Leitzins wieder auf 1-3% p.a. Gleichzeitig führt der Staat eine spezielle Vermögensteuer auf sichere Geldanlagen ein (Tages- und Festgeldkonten, Staatsanleihen u.a.), so dass die Zinsen für Großanleger/innen nach Steuern negativ sind. Kleinsparer/innen können hingegen einen Steuerfreibetrag in Anspruch nehmen und im Rahmen dessen positive Zinsen realisieren.

Beide Strategien nehmen Großanleger/innen in die Pflicht, den Unternehmen günstig Kapital zur Verfügung zu stellen, damit diese nachhaltige Low-Profit-Investitionen finanzieren können. Allerdings setzen beide Strategien die Abschaffung von Banknoten (Papiergeld) voraus, um die Flucht ins Bargeld zu verhindern (Rogoff 2016). Die Vor- und Nachteile einer Digitalisierung des Zahlungsverkehrs sowie der sozialökonomische Benefit einer Two-Agent-Ökonomie sollen im Workshop ausführlich diskutiert werden.

Christian Fahrbach ist Dozent an der Leuphana Universität Lüneburg und hält Seminare zu den Themen „Low-Profit“ sowie „stabile und nachhaltige Finanzmärkte.“